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Filmreihe 2007 / 2008

Film, Raum, Architektur

 

 

14.10.07 „Das Cabinet des Dr.Caligari“

28.10.07 „Metropolis“

11.11.07 „In den Fesseln von Shangri-La“

25.11.07 “Fountainhead“

13.01.08 „Mon Oncle“

27.01.08 „Playtime“ – Tatis herrliche Zeiten

17.02.08 „Alphaville“

13.04.08 „Traumstadt“

27.04.08 „My Architect – a Son´s Journey“


 

 

 



„Das Cabinet des Dr.Caligari“

Daten: Uraufführung im Februar 1920, Marmorhaus in Berlin, 1921 in New York
Produktion: Erich Pommer. Drehbuch: Hans Janowitz und Carl Mayer.
Regie: Robert Wiene
Schauspieler: Werner Krauss (Dr. Caligari), Conrad Veidt (Cesare), Lil Dagover (Jane), Friedrich Feher (Franzis), Hans Heinrich von Twardowski (Student Alan) Künstlerische Gestaltung: Hermann Warm, Walter Reimann, Walter Röhrig

Story: Die Geschichte beginnt in einem Irrenhaus und endet in ihm. Ein Irrer erzählt einem anderen Irren folgende Geschichte: In einer fiktiven Stadt in Norddeutschland („Holstenwall“) stellt Dr. Caligari auf dem Jahrmarkt den somnambulen (schlafwandelnden) Cesare zur Schau. Zeitgleich geschieht ein Mord. Der Student Alan, der die Vorführung sieht, wird kurz darauf ebenfalls ermordet. Sein Freund Franzis hegt den Verdacht, der somnambule Cesare habe den Mord im Auftrag von Dr. Caligari begangen. Im Verlauf der weiteren Handlung scheint Cesare Jane, Franzis' und Alans Freundin, töten zu wollen, doch er besinnt sich eines anderen und entführt sie stattdessen. Er wird entdeckt, flieht und stirbt bei der Verfolgung vor Erschöpfung. Dr. Caligari flieht ebenfalls. Seine Flucht endet in einem Gebäude, das sich als Irrenhaus herausstellt, dessen Direktor er zu sein scheint. Ihm folgend entlarvt Franzis ihn als Irren. Daraufhin wird Dr. Caligari in eine Zwangsjacke gesteckt. Zuletzt ist aber nicht Dr. Caligari der Irre, sondern Franzis. Und auch Jane und Cesare befinden sich als Insassen in diesem Irrenhaus.

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„Metropolis“

Daten: Uraufführung am 10.1.1927 im UFA Kino am Zoo in Berlin
Produktion: Erich Pommer. Drehbuch: Thea von Harbou. Regie: Fritz Lang
Schauspieler: Alfred Abel (Johan Fredersen), Gustav Fröhlich (Freder Fredersen), Brigitte Helm (Maria), Rudolf Klein-Rogge (Rotwang, der Erfinder), Fritz Rasp (der Schmale), Helene Weigel (Nebenrolle, eine Arbeiterin) Künstlerische Gestaltung: Otto Hunte, Erich Kettelhut, Karl Vollbrecht

Story: Der Film zeigt die Zukunftsvision einer Stadt und ist damit einer der ersten Science-Fiction-Filme. Das Leben spielt sich auf getrennten Ebenen ab: Die Oberschicht lebt oben in hellen paradiesischen Gärten, während die Unterschicht in einer dunklen Unterwelt wohnen muss. Die Story beginnt auf einer mittleren Ebene, einer Art Arbeitsebene mit grossen Maschinen. Der Film erzählt von dem Zusammentreffen zweier junger Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und von einer Krise zwischen Arbeitern und Herrschern. Freder, der Sohn des Herrschers über Metropolis, lernt Maria kennen, die Tochter eines Arbeiters, als sie einer Schar Kinder die oben gelegenen Gärten zeigt. Durch Maria lernt er zum ersten Mal die Welt der Arbeiter kennen. Freder macht seinen Vater auf die schlechten Verhältnisse für die Arbeiter aufmerksam. Maria wird vom Vater jedoch als Aufrührerin gesehen, die er aus dem Weg räumen muss. Zu diesem Zweck fordert er den Erfinder Rotwang auf, dem bereits von ihm entwickelten weiblichen Maschinenmenschen das Aussehen von Maria zu geben. Diese Maria-Maschine löst in der Folge der Handlung auf allen Ebenen von Metropolis grosses Chaos aus. Durch den Ausfall der großen Elektrizitätsmaschine wird die gesamte Unterwelt überflutet. Nach dem Tod des Erfinders kommt es durch die Vermittlung von Freder und Maria doch zu einer Versöhnung zwischen den Arbeitern und dem Herrscher von Metropolis, zwischen Kopf und Hand, wie Maria sagt.

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„In den Fesseln von Shangri-La“

Daten: Uraufführung am 3.März 1937 in Los Angeles
Produktion / Regie: Columbia Pictures / Frank Capra.
Drehbuch: Robert Riskin. Buch (Lost Horizon, 1933): James Hilton.
Schauspieler: Ronald Colman (Robert Conway), Jane Wyatt (Sondra), John Howard (George Conway), Edward Everett Horton (Alexander P. Lovett), Thomas Mitchell (Henry Barnard), Sam Jaffe (high Lama), Margo (Maria), Isabel Jewell (Gloria Stone)
Künstlerische Gestaltung: Stephen Goosson  

Story: Der Film schildert die Flucht einer Gruppe westlicher Besucher aus China während eines Bürgerkrieges. Das Flugzeug, das sie zurück nach England bringen sollte, wird jedoch entführt. Nach einer Bruchlandung in den tibetanischen Bergen werden sie über verschneite Pässe in ein paradiesisch schönes Tal namens Shangri-La gebracht. Hier leben die Menschen in völliger Gewaltlosigkeit in einem gemeinsamen Glauben zusammen. Der Friede des Tales wird durch ein mildes Klima und den Überfluss an irdischen Gütern unterstützt. Bedingt durch die Lebensweise und das milde Klima scheint man in diesem Tal nicht oder nur sehr langsam zu altern. Die entführte Gruppe wird sehr gut untergebracht und vorzüglich bewirtet. Robert Conway, der sich als zukünftiger Aussenminister Englands wähnt, wird vom dortigen religiösen Führer, dem Lama, als Nachfolger erwählt. Convay fühlt sich im Tal sehr wohl und möchte die Herausforderung annehmen. Die anderen Mitreisenden akzeptieren nach einer schwierigen Eingewöhnungszeit ihre Zukunft in diesem Tal ebenfalls. Nur George, der Bruder Conways, will unbedingt das Tal wieder verlassen und glaubt, dass er dort gefangen gehalten werde. Diese Befürchtung wird von einer Frau unterstützt, die sich als Gefangene ausgibt. Conway willigt ein, den Bruder auf seiner Flucht zu begleiten, obwohl er sich gerade in eine sehr schöne Frau verliebt hat und eigentlich lieber dort bleiben würde. Auf der Flucht über die verschneiten Berge altert die neue Freundin des Bruders in kurzer Zeit und stirbt. Auch der Bruder kommt ums Leben. Nur Conway erreicht England. Nach kurzem Aufenthalt beschliesst er jedoch, wieder in das Tal Shangri-La zurückzukehren. Nach unglaublichen Strapazen erreicht er sein Ziel und die geliebte Frau. Bei der Restaurierung des Films fand man zwei unterschiedliche Versionen der Schluss-Szene.

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“Fountainhead“

Daten: Uraufführung am 21.6.1949 in Los Angeles
Produktion / Regie: Warner Brothers / King Vidor. Drehbuch / Buch: Ayn Rand.
Schauspieler: Gary Cooper (Howard Roak), Patricia Neal (Dominique), Raymond Massey (Gail Wynand), Henry Hull (Henry Cameron), Ray Collins (Roger Enright), Kent Smith (Peter Keating), Paul Stanton (der Dekan)
Künstlerische Gestaltung: Edward Carrere

Story: Howard Roak, ein junger Architekturstudent, wird vom Dekan der Universität verwiesen, weil er sich nicht an den Architekturstil der Universität anpassen will. Er findet Arbeit bei einem modernen Architekten und macht sich später selbstständig. Weil er unbedingt modern bauen will, bekommt er nur wenige Aufträge, muss sogar zeitweise sein Büro schliessen und in einem Steinbruch arbeiten. Dort lernt er die schöne Journalistin Dominique kennen. Aus Angst vor der Abhängigkeit in der Liebe heiratet sie nicht Howard Roak, sondern den Chef der Zeitung, bei der sie arbeitet. Howard Roak hat immer mal wieder einen Auftrag und kann sogar grössere Bauvorhaben ausführen, u.a. ein Wohnhochhaus im modernen Stil, später auch ein Wohnhaus für Dominique und ihren Mann. Als sein ehemaliger Studienfreund ihn bittet, ihm - ohne Nennung seines Namens - bei einem Wettbewerb zu helfen, willigt er ein. Howard Roak stellt aber die Bedingung, dass sein Entwurf im Ausführungsprozess nicht verändert wird. Während der Bauzeit ist Howard Roak nicht in der Stadt. Als er zurückkommt, ist das Befürchtete geschehen: Sein Entwurf war ohne seine Einwilligung verändert worden, aus seiner Sicht verschandelt. Er sieht sich nun berechtigt, den ganzen Gebäudekomplex zu sprengen, Dominique hilft ihm dabei. Er wird verhaftet, in der Gerichtsverhandlung nach einer längeren Verteidigungsrede aber freigesprochen.  

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„Mon Oncle“

Daten: Uraufführung am 9.5.1958 in Cannes, 10.5.1958 Paris
Produktion / Regie / Drehbuch: Jacques Tati / Specta-Film
Schauspieler: Jacques Tati (Monsieur Hulot), Adrienne Servantie (seine Schwester Mme. Apel), Jean-Pierre Zola (ihr Mann Charles Apel) und Alain Bécourt (ihr Sohn Gérard Apel)
Künstlerische Gestaltung: Jacques Lagrange

Story: Monsieur Hulot lebt in einer romantischen Dachgeschosswohnung in einem alten Stadtquartier. Hier kennt jeder jeden, es gibt einen Gemüsehändler und einen Strassenkehrer und zum telefonieren geht er ins nahe gelegene Bistro. Zu seiner Wohnung in diesem verschachtelten Gebäude gelangt er auf wundersame Weise wahrscheinlich über verschiedene Treppenhäuser. Manchmal besucht er seinen Neffen Gérard, der mit seiner Mutter, Hulots Schwester, und seinem Vater in einem modernen Einfamilienhaus am Rande der Stadt wohnt. Das moderne Einfamilienhaus der Apels ist ein sehr futuristisches Haus mit viel fortschrittlicher Ausstattung, z.B. mit einer voll automatischen Küche. Der Mann fährt zur Arbeit, die Frau kocht und macht das Haus sauber. Der Junge kommt von der Schule. Die Familie macht einen kleinbürgerlichen Eindruck, mit dem Kind beschäftigten sie sich kaum. Mit grossem Ernst versuchen die Apels, den Vorgaben des Architekten, wie sie sich in diesem Haus zu verhalten haben, nachzukommen, doch das Haus wirkt unbewohnt, kalt und ungemütlich. Ordnung und Sauberkeit spielen hier eine grosse Rolle. Selbst das Kinderzimmer wirkt aufgeräumt, kalt und leer. Eine große Rolle spielt auch das Auto als Mittelpunkt des Lebens der Familie Apel. Die ausgefeilte Technik des Garagentores führt dazu, dass ihr Hund sie in der Garage einschliesst. Extrem lebensfeindlich und künstlich wirkt der streng geometrische Garten. Aus Sparsamkeitsgründen wird der Springbrunnen mit elektrisch betriebener Fontäne in Form eines Dephins nur in Betrieb genommen, wenn Gäste kommen. Bei einer kleinen Gartenparty möchte die Schwester ihren allein lebenden Bruder mit der Nachbarin verkuppeln und ihm, dem arbeitslosen Junggesellen, eine Arbeit verschaffen. Deshalb bittet sie ihren Mann, ihn in seiner Fabrik anzustellen. Auch die Plastikröhrenfabrik, dessen Inhaber Herr Apel ist, sieht innen wie außen extrem modern und technisch optimiert aus. Monsieur Hulot tut ihr den Gefallen, doch durch eine Unachtsamkeit verursacht er ein totales Chaos. Zum Schluss wird er ins Ausland geschickt. Die distanzierte Beziehung zwischen Vater und Sohn lockert sich, als Monsieur Hulot wegfährt.

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„Playtime“ – Tatis herrliche Zeiten

Daten: Uraufführung 1967 in Frankreich/Italien, 14.8.1968 in Deutschland
Produktion / Regie / Drehbuch: Jacques Tati und Jacques Lagrange / Specta-Film
Schauspieler: Jacques Tati (Monsieur Hulot), Barbara Denneck (junge Touristin Claudia), Billy Kearns (Mr. Schultz), Rita Maiden (Mr. Schultz´ Begleitung), Yves Barsacq (Hulots Freund), Valérie Camille (Mr. Lacs´ Sekrätärin, France Delahalle (Verkäuferin)
Künstlerische Gestaltung: Jacques Lagrange

Story: Monsieur Hulot ist, wie bei „Mon Oncle“, wieder die zentrale Figur des Films. Der Film beginnt in einem Flughafen, der so steril gestaltet ist, dass man ihn auf den ersten Blick für ein Krankenhaus hält. Eine junge Frau reist mit einer Touristengruppe in Paris-Orly an. Monsieur Hulot macht zufällig die Bekanntschaft dieser jungen Dame. Er selbst ist auf der Suche nach einem Monsieur Giffard. Er fragt in einem modernen Bürohochhaus nach ihm, er muss auf seltsam modernen Sesseln warten und verpasst ihn immer wieder, einmal, weil er versehentlich in einen Aufzug einsteigt. Monsieur Hulot verirrt sich in dem grossen Bürokomplex und gerät ungewollt in eine Art Möbel-, Büro- und Hausgeräteausstellung. Auf seinen Irrwegen in der Stadt trifft er immer wieder die junge Touristin vom Flughafen. Abends lädt ihn ein Bekannter zu sich nach Hause ein. Das Haus, in dem er wohnt, hat riesige Fenster: von der Strasse kann man seine ganze Wohnung überblicken, wie auch die Wohnungen der anderen Hausbewohner. Absurderweise machen alle Bewohner des Hauses dasselbe, sie schauen fern. Monsieur Hulot besucht die Einweihungsfeier eines neuen Restaurants. Als die Gäste eintreffen, sind die Ausbauarbeiten noch nicht abgeschlossen. Durch eine Reihe von Pannen wird der Abend zum Chaos und die gesamte Einrichtung des Restaurants demoliert. Immer wird der Architekt gerufen, der das Problem schnell beheben soll. Wie auch im Bürokomplex stehen die Menschen vor Schaltanlagen und wissen nicht, welchen Knopf sie drücken sollen. Sie sind von der Technik überfordert. Am anderen Morgen reist die junge Touristin mit ihrer Gruppe wieder ab. Der Bus bringt sie zum Flughafen zurück. Monsieur Hulot schenkt ihr zum Abschied einen Strauss Maiglöckchen, dieser Strauss ähnelt den Strassenlaternen auf dem Weg zum Flughafen. Das Schlussbild ist ein Kreisverkehr voller Autos und Motorräder, der wie ein Kinderkarussell wirkt.

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„Alphaville“

Daten: 1965 Frankreich 98 min s/w
Regie: Jean-Luc Godard
Darsteller: Eddie Constantine, Anna Karina, Howard Vernon, Akim Tamirov u.a.
Künstlerische Gestaltung: ?

Story: Alphaville ist eine fiktive Stadt in der Zukunft, doch sie ist aus Bildern des Paris der 60er Jahre zusammengesetzt. Diese Stadt steht unter der Kontrolle von Professor VonBraun. Mit Hilfe eines zentralen Grosscomputers (Alpha 60) werden alle Menschen dieser Stadt von ihm gesteuert. Jede Art von Gefühl, ob Liebe oder Schmerz, wird bestraft. Moderne Glaskonstruktionen, Stahlwendeltreppen, Computerräume schaffen eine Atmosphäre eines coolen Überwachungsstaates. Der Protagonist Lemmy Caution ist Privatdetektiv oder Spion aus den internationalen Gebieten. Er verliebt sich in die Tochter von Professor VonBraun und flieht mit ihr.

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„Traumstadt“

Daten: Uraufführung 15.11.1973, Deutschland
Produktion: Maran/Interdependent-Film, Heinz Angermeyer. Regie: Johannes Schaaf.
Drehbuch: Johannes Schaaf, Rosemarie Fendel
Buchvorlage: Alfred Kubin: Die andere Seite (1909)
Schauspieler: Rosemarie Fendel (Anna Sand), Per Oscarsson (Florian Sand)
Künstlerische Gestaltung: ?

Story: Ein finanziell gut gestelltes Münchner Künstler-Ehepaar ist auf der Suche nach einem Leben ohne gesellschaftliche Zwänge. Sie erhalten eine Einladung an einen ihnen unbekannten Ort, wo sie glauben, sorglos und frei leben zu können. Mit verbundenen Augen bringt man sie per Flugzeug in eine ihnen unbekannte Stadt in der asiatischen Wüste. Diese Stadt hat Ähnlichkeiten mit einer mitteleuropäischen Fachwerkstadt. Die Bewohner dieser Stadt leben ungezwungen und frei von allen gesellschaftlichen Regeln. Niemand muss mehr einer Erwerbsarbeit nachgehen. Das Fehlen der täglichen Arbeit bringt aber Langeweile mit sich. Manche arbeiten in einer Fabrik; deren Produkte (Tonvasen) werden, weil sie nicht gebraucht werden, am Ende des Fließbandes wieder zerstört. Andere leben ganz offen ihre geheimen Wünsche und teilweise perversen Phantasien aus. Das Ehepaar geht getrennte Wege. Er beginnt eine Beziehung mit einem jungen Mädchen. Es dauert nicht lange, bis rücksichtloses und gewalttätiges Verhalten die Oberhand erlangt haben. Wir werden Zeugen des Zusammenbrechens dieser scheinbar so heilen Welt. Der Traum wird zum Alptraum, zum apokalyptischen Szenario, zur Horrorvision. Die Stadt geht im Chaos der Zerstörung unter.

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„My Architect – a Son´s Journey“

Daten: Uraufführung 12.11.2003 USA
Produktion / Regie / Drehbuch: Nathaniel Khan
Mitwirkende: Vincent Scully, I.M. Pei, Edmund Bacon, Frank Gehry, Philip Johnson, Esther Kahn, Nathaniel Kahn, Sue Ann Kahn, Harriet Pattison
Künstlerische Gestaltung: Nathaniel Khan

„My Architect“ ist ein Dokumentarfilm über den Architekten Louis Kahn. Er wurde 1901 in Estland geboren und gilt als einer der bedeutendsten Architekten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 1974 fand man den ehemaligen jüdischen Einwanderer tot in der Herrentoilette der New Yorker Penn-Station. Drei Tage lang versuchte man seine Familie ausfindig zu machen, denn er hatte seine Adresse aus seinem Pass herausradiert. 1999, 25 Jahre nach seinem Tod, begibt sich sein nichtehelicher Sohn Nathaniel auf die Reise, seinen Vater wieder zu finden und seine Architektur zu verstehen. Wegbegleiter werden befragt und Bauten aus den Jahren 1951 bis 1974 besichtigt. Der Sohn stellt sich die Frage: Wer war dieser Mann? Er hatte dünne Haare, ein vernarbtes Gesicht. Im Alter von drei Jahren war er als Kind vom Glühen im Kamin so sehr fasziniert, dass er sich ein Stück herausnahm und es in seine Tasche steckte. Er begann lichterloh zu brennen. Man konnte ihn retten, doch die Narben kennzeichneten ihn ein Leben lang. Mit den Eltern emigrierte er im Alter von 4 Jahren in die USA und kam nach Philadelphia. Als er noch ein Kind war, zogen die Eltern in der Stadt Philadelphia 17mal um. Musikalisch wie auch zeichnerisch begabt, erhielt er ein Stipendium für das Architekturstudium an der Universität von Philadelphia. Nach seiner Heirat ernährte seine jüdische Frau das Ehepaar mit Arbeit in einem Krankenhaus. Nach zehn Jahre Ehe bekamen sie eine Tochter.

In dieser Zeit malte und zeichnete er, auf der Suche, was seine Bestimmung sei. Erst nach einer Reise nach Europa und Afrika fand er sie. Inspiriert von den Pyramiden, dem Parthenon-Tempel, von Ägypten und Griechenland eröffnete er sein eigenes Büro. In seiner Arbeit wird er als kompromisslos und geradezu fanatisch geschildert. Er verbrachte Stunden und Tage im Büro, vergass die Zeit, ob es Tag oder Nacht war. War er müde, rollte er einen kleinen Teppich aus und schlief im Büro. Nachts um drei rief er einen Mitarbeiter an, nur um ihm zu sagen, dass das Modell völlig misslungen war, das dieser in den letzten drei Tagen und Nächte gebaut hatte um - dann sofort wieder aufzulegen.

In erster Linie war ihm die Perfektion in der Arbeit wichtig. Er kam mit Plänen an die Baustelle, wollte jeden Kopf einer Schraube bestimmen, hielt den Arbeitern Vorträge statt ihnen pragmatisch zu erklären, was zu machen sei. Die Pläne waren aber oft durch den Baufortschritt überholt: Er kam zu spät. Vincent Scully sagte, dass Kahn es für den g&oum;ttlichen Auftrag des Menschen hielt, die Perfektion auf Erden zu schaffen. Vielleicht fand er in den rigiden Formen des Kreises und des Quadrats die Ruhe, die er im Leben vermisste, die Dauer, die er nirgends sah, die Beständigkeit, die er nie erlangt hatte. Die Kraft seiner Architekturformen erdete vielleicht nicht nur ihn, sondern möglicherweise auch diejenigen, die mit diesen Gebäuden umgingen, in ihnen lebten und arbeiteten. Die große Form, die er allerorten wagte - wenn er denn mal einen Bauherrn fand, der ihm seine Ideen finanzierte - war monumental, aber nicht Furcht erregend. Seine Bauten sind von einer freundlichen Erhabenheit. Die Nutzbarkeit dieser Gebäude liess sich hier und da in Frage stellen, besonders zu Beginn seiner Arbeit. Die grosse Form war nicht immer die ökonomisch sinnvollste Lösung. Am eindrücklichsten zu sehen ist dies beim Parlamentsgebäude in Bangladesh. Eines der ärmsten Länder leistet sich so etwas wie eine Burg, wie ein Schloss, baut 23 Jahre unter den abenteuerlichsten Bedingungen daran. Kahn kümmerte sich nicht darum, ob das Geld oder die technischen Mittel für die Vollendung seines Entwurfes vorhanden waren. Trotzdem ist man mit seiner Arbeit sehr zufrieden.

Zu seinem Büroteam gehörte auch eine Frau. Während der Arbeit kam man sich näher. Als sie schwanger war, musste das "malheur" verschwiegen werden. Sie fuhr nach Rom, um dort heimlich das Kind zu bekommen. Kahn verließ seine angeheiratete Frau nicht, er verdankte ihr zu viel. Nachdem diese Neben-Beziehung zu einem Ende gekommen war, begann er abermals eine Beziehung mit einer Angestellten und auch sie bekam ungewollt ein Kind. Es war Nathaniel. Als Louis Kahn starb, war sich die Frau sicher, dass Kahn an diesem Tag auf dem Weg zu ihr war und nun endlich zu ihnen ziehen würde, um in Zukunft mit ihnen zu leben und dass er deshalb die Adresse aus seinem Pass herausradiert hatte. Bei der Beerdigung sollten nach dem Willen der Ehefrau Kahns die unehelichen Kinder und die Freundinnen nicht am Grab stehen. Sie taten es dennoch und wurden zur Seite geschoben. Doch sind diese Frauen in keiner Weise verbittert. Sie hegen keinen Groll gegen Kahn, auch wenn er sich nie zu ihrer Beziehung bekannt hatte, auch wenn er sie nie zu den Eröffnungen und Grundsteinlegungen mitnehmen konnte, auch wenn sie manchmal sogar in einem kleinen Raum im Büro eingeschlossen wurden, damit seine Frau nichts von ihrer Existenz erfuhr. Sie bereuen nichts, das war der Preis für die gemeinsame Arbeit und dafür, überhaupt mit ihm zusammen sein zu dürfen. Die ausserehelichen Beziehungen liessen sich gut verheimlichen, da Kahn viel auf Reisen war, denn seine Bauten stehen überall auf der Welt. War er gerade mal drei Tage im Büro, musste er schon wieder weg. Er war ständig unterwegs, ein moderner Nomade. Er hatte keinerlei Eigentum. Bei seinen Frauen blieb kaum etwas zurück, ausser einer Krawatte. Bei seinem Tod hinterliess er 500 000 Dollar Schulden. Er war erfolgreich, sagt der chinesische Architekt Pei, weil er nur einige wenige Meisterwerke baute, statt viele gewöhnliche Bauten. Qualität statt Quantität. Für Frank Gehry war er ein Vorbild, weil er der erste war, der der Langeweile und der Monotonie der Moderne etwas entgegensetzte. Kahn stand an der Schwelle zur Postmoderne und hätte sie dennoch wahrscheinlich nie akzeptieren können.  

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