EINLADUNG

zum nächsten Vortragsabend in der Reihe
"Zur Aktualität der Moderne - die 50er Jahre"
am Freitag, den 18.11.2005 um 18:00 Uhr


veranstaltet vom
ARCHITEKTURSALON-KASSEL

in Kooperation mit der Universität Kassel
und dem Evangelischen Forum Kassel
Ort :
Ev.Forum am Lutherplatz



Zum Thema
"Optimierung und Mobilität"
 werden sprechen:
PD Dr. Michael Makropoulos, Berlin / Erfurt
     Prof.Dr. Helmut Holzapfel, Kassel



Die grundlegende Idee der modernen Stadtplanung war das Konzept der "funktionellen Stadt": Die Stadt sollte einer umfassenden Neuordnung unterzogen werden nach den Funktionen "Arbeiten, Wohnen, Erholen und Verkehr". Die geforderte Neuordnung war in ihrer Rationalität und Radikalität nichts anderes als eine Optimierung, die jedoch nicht nur die technischen Sphären, sondern letztlich die gesamte Gesellschaft betraf. Man kann die Verkehrsplanung dabei als ein prägnantes Beispiel für die fortschreitende Optimierungstendenz der Moderne herausgreifen.

Einer der Gründe für die als notwendig erkannte Neuordnung der alten Stadt war die Forderung nach ungehinderter Mobilität: Die Herstellung eines Optimums für die motorisierte Mobilität war ein Ziel, das als eine wesentliche Aufgabe auch der Stadtplanung verstanden wurde: Modern sein hieß mobil sein. Eine freie, ungehinderte und immer stärker motorisierte Bewegung im Raum war zum Lebensgefühl der Zeit geworden. Um Zeit und Kraft zu sparen, sollte jeder schnell und bequem von der Wohnung zum Arbeitsplatz gelangen können.

Gedanken aus den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts wurden nach dem Weltkrieg aufgegriffen und in die deutschen Städte übertragen. Die Anzahl der Pkw-Besitzer hatte sich in den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Krieg vervielfacht. Die in den 50er Jahren konzipierte Kasseler Kreuzung am "Altmarkt" beispielsweise erfüllte diese Anforderung wie keine andere: Kein Warten mehr für Rechtsabbieger; die bisher den Verkehrsfluss störenden Fußgänger sollten einen Fußgängertunnel benutzen. So konnten sie gefahrlos die Kreuzung unterqueren. Die mit Vorrang betriebene Neuordnung des Verkehrs wurde später zum Angelpunkt der Kritik am Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Städte.

Heute werden in Kassel die Unterquerungen wieder geschlossen und niveaugleiche Fußgängerüberwege angelegt. Längst ist auch die "Verkehrs-Beruhigung" ein Ziel der Stadtplanung. Die Citykaufleute suggerieren uns das alte Bild vom Flaneur, der einst ohne Stress die Stadt durchstreifte, wir sollen uns zum Kauf der Waren bewegen. Doch in unseren Köpfen läuft weiter die imaginäre Parkuhr. Die "Neue Langsamkeit" erleben wir wohl in der Literatur und im Film - noch immer ist es uns wichtig, so schnell wie möglich von einem Punkt der Stadt zum anderen zu gelangen, auch dies sind alles kleine Optimierungsprozesse.


Die Kurzfassungen ("abstracts") der Vorträge finden Sie als Link über den Namen der Referenten.

Sylvia Stöbe, Michael Krauss




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last update: 3.11.2005